Altarweihe in der St. Sixtus-Kirche

„Eine der schönsten Kirchen Oberbayerns“

St. Sixtus in Schliersee wird nach umfangreicher Renovierung wieder eröffnet

Zwei der Seitenportale am Münchner Dom sind nach den Heiligen Arsacius und Sixtus benannt. Arsacius ist Patron der Basilika Ilmmünster und Sixtus der der Pfarrkirche in Schliersee. Letztere wird Kardinal Reinhard Marx am 22. Juli nach rund sechsjähriger Renovierungszeit mit der Weihe eines neuen Volksaltars, eines Ambos und einer neuen Orgel wieder eröffnen.

Die Münchner Portale sind nach diesen Heiligen benannt, weil die Chorherren-Stifte von Schliersee und Ilmmünster 1495  an die Münchner Frauenkirche verlegt worden sind, um Seelsorger für die neu erbaute Stadtkirche zu erhalten. Seit 1140 hatte das Kollegiatsstift in Schliersee bestanden. Eine erste romanische Stiftskirche war nach rund 200 Jahren abgebrannt. Ihr folgte eine gotische Kirche, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts so heruntergekommen war, dass sie abgerissen werden musste. Mit ihren Steinen errichtete Baumeister Caspar Cläßl 1712 -15 das heutige barocke Gotteshaus. So können die Schlierseer mit dem Abschluss der Renovierung auch das 300jährige Jubiläum der Grundsteinlegung ihrer Kirche feiern.

Der prächtige Raum markiert einen kunsthistorisch bedeutsamen Wendepunkt in Bayern. Der junge Stuckator und Freskenmaler Johann Baptist Zimmermann hat hier erstmals den Übergang vom Pathos des Barock zur neuen Innerlichkeit des Rokoko vollzogen. Bei seiner Darstellung des Martertodes von Papst Sixtus und dessen Verherrlichung im Himmel geht es um Glauben, Frömmigkeit, Leid, Standhaftigkeit und Seligkeit. Alles Pompöse und Triumphale ist abgelegt.

Aus der Vorgängerkirche stammen bedeutende gotische Werke: eine Schutzmantelmadonna von Jan Pollak und ein Gnadenstuhl von Erasmus Grasser.

Der moderne Volksaltar und ein Ambo des Kiefersfeldener Bildhauers Toni Stegmayer fügen sich nun als liturgische Orte für Eucharistie und Verkündigung harmonisch in den barocken Raum ein. Das gilt auch für die von der Firma Mathis in Näfels/Schweiz erbaute neue Orgel, die über 28 Register mit Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal verfügt. Sie kostet 730.000 Euro. Seit über 20 Jahren wurde bereits für das Instrument gesammelt.

Die Renovierung der Kirche  begann 2006 mit der Begasung der Altäre gegen Insektenfraß. Es folgte die Trockenlegung des Untergrunds unter den Kirchenbänken und die Renovierung der Sakristei. 2009 wurden teilweise die Fundamente erneuert, schadhafte Stellen im Mauerwerk neu verputzt und der Außenanstrich  erneuert. Umfangreiche Ausbesserungsarbeiten am Dachstuhl folgten. Das Dach erhielt neue Holzschindeln, der Turm zur Stabilisierung einen Glockenstuhl aus Eichenholz. Eine der beiden Grundglocken wurde entfernt und durch zwei neu gegossene, tonhöhere Glocken ersetzt.

Seit Mai 2010 wurden Decken, Wände und Ausstattung gereinig und restauriert, die Steinböden ausgebessert, Treppen und Emporen überarbeitet. 2,2 Millionen Euro kostet die Renovierung, 455.000 davon muss die Gemeinde selbst aufbringen.

Pfarrer Peter Hagsbacher dankt allen, die durch Zuschüsse, Spenden oder ihre Mitarbeit zur Wiederherstellung „einer der schönsten Kirchen Oberbayerns“ beigetragen haben und erinnert daran, dass die Kirche der „größeren Ehre des besten, höchsten und dreieinigen Gottes“ dienen soll. wie es seit 300 Jahren im Grundstein der Kirche auf einer „pleyenen platten verzaichnet“ ist.                                                                                    Karl Grüner

Fotos von der renovierten Kirche
Fotos von der Altarweihe durch Erzbischof Kardinal Reinhard Marx

 

 

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